Ein wichtiger Teil des Lernens ist recherchieren, notieren und erarbeitete Ergebnisse in eine Form des Ausdrucks zu bringen. Häufig finden diese Lernschritte in unterschiedlichen Etappen und mit unterschiedlichen Medien statt: Recherche auf dem Handy oder in gedruckten Medien, Notizen auf dem PC in einer Notizapp, die Ergebnissicherung in Word. Die Unterlagen zu dem Projekt werden, wenn überhaupt, an verschiedenen Orten abgelegt. Der Fokus liegt auf dem Ergebnis, das als Nachweis für die Arbeit gilt und in der Regel bewertet wird.

Ökonomisch und pädagogisch ist das ein Widerspruch: Denn a) steckt das grosse Zeitinvestment in den einzelnen Arbeitsschritten, in denen b) das Lernen und Erarbeiten und Verstehen von Zusammenhängen stattfindet.

Was wäre nun, wenn wir Unterricht den Fokus auf die Arbeitsschritte, also den Prozess, und die darin verborgenen Lernschritte setzen und gleichzeitig dafür eine Methode für Wissensarbeit benutzen, die es uns ermöglicht, Recherchen und Zwischenergebnisse intuitiv zu verwalten und sie für aktuelle und zukünftige Wissensarbeit nutzen zu können? Gefordert ist ein dialogisches Lernen verbunden mit einem zukunftsbildenden persönlichen Wissensmanagement.

Dialogisches Lernen

Gegenüber den Noten haben schriftliche und mündliche Rückmeldungen den grossen Vorteil, dass sie differenzierter sind und häufig den Lernprozess unterstützen. Die Leistungsbewertung ist in der Regel nicht defizitorientiert, sondern setzt meistens an dem in der Arbeit gut Gelungenen an. Dies ermöglicht es mit den Lernenden in einen Dialog zu ihrer Arbeit zu treten und mit ihnen dort weiter zu arbeiten, wo bereits gute Ansätze bestehen. Kurz, „mit Feedback arbeiten heißt: dialogisch statt monologisch Arbeiten und Sprechen […]“ [1].

Ein solcher Schritt erfordert ein Umdenken, hin zu einer neuen Lehr- und Lernkultur. „Es geht darum, altersentsprechende Formen der Mitwirkung, Mitbestimmung und der Selbstorganisation (zu) entwickeln, die auch den Lernprozess selbst mit umfassen“ [Zitat im Original. Anm. der Verfasser]“[2]. Die grosse Herausforderung dabei ist, dass die Lehrenden nicht nur einen dialogischen Unterricht gestalten, sondern auch eine dialogische Prüfungs- und Bewertungskultur aufbauen. Kurz, wer einen kompetenzorientierten Unterricht fordert, muss auch kompetenzorientierte Prüfungen und Bewertungen fordern. Und gerade bei dieser Forderung tritt eine grosse und alte Diskrepanz zwischen Unterricht und Prüfung zu Tage: Während die Schulen und Lehrer:in die neue Lernkultur im Unterricht häufig erfolgreich umsetzen, wird in Prüfungen noch mehrheitlich Wissen abgefragt. Frey sagt dazu: "Rund 75% aller Fragen sind reine Wissensfragen. Sie verlangen kein tieferes Verstehen, kein Anwenden, kein Beurteilen, geschweige denn ein modifizierendes Benutzen des Gelernten. Neben den 75% Wissensfragen enthalten die Prüfungen etwa 20% einfache Verständnisfragen. Und nur wenige Fragen gelten höheren kognitiven Leistungen“[3]. Die Forderung nach einer neuen Prüfungs- und Bewertungskultur ist also mehr als berechtigt.

Nimmt man dieser Wunsch nach einer neuen Lernkultur ernst, ist dies eine grosse Herausforderung für den Unterricht: Lehrende und Lernende begegnen sich auf Augenhöhe und gestalten den Unterricht gemeinsam. Für Lehrende bedeutet dies, in den Prozess des Lernens mit einzusteigen und für die Lernenden ist die Herausforderung ein persönliches Können zu entwickeln und nicht die vor gedachte Lösung der Lehrperson nachzuvollziehen.[4] Die Hauptaufgabe des dialogischen Unterrichts ist, wie es Hattie auf den Punkt bringt. „Im Mittelpunkt eines Lernerfolgs steht – noch immer – eine positive und intakte Lehrer-Schüler-Beziehung“ [6].

Positive Rückmeldungen

Strukturierte Rückmeldungen, also Feedback, sind arbeitsintensiv und zeitaufwendige – nicht nur für Lehrpersonen. Strukturiertes Feedback ist ein wichtiges Arbeitsinstrument für ein gutes Arbeitsklima und produktive Resultate. Dies gilt für die Arbeitswelt genauso wie für die Schule.

Um als Lehrperson dieser Herausforderung produktiv und effizient begegnen zu können, ist es essentiell, die formulierten Feedbacks wiederverwenden zu können. Dies geschieht am besten in unterschiedlichen Situationen zu unterschiedlichen Themen.

Die Herausforderung ist: Wie lassen sich diese Feedbacks – und andere Unterlagen – auf lange Zeit wieder auffindbar und gleichzeitig intuitiv handhabbar verwalten? Kurz: Wie lässt sich als Lehrperson und als Lernende ein erfolgreiches, persönliches Wissensmanagement gestalten?

Persönliches Wissensmanagement

Genau diese Anforderungen werden im "Building a Second Brain" erfüllt. Dabei ist das Intuitive an der Methode, dass es die persönliche Wissensarbeit unterstützt und verbessert.

Lehrpersonen und Lernende erhalten Wissenswerkzeuge, die ihnen helfen, strukturiert und methodisch von der Recherche zum Output zu kommen. Dabei werden in den einzelnen Schritten Kompetenzen geschult, wie:

  • Zielführendes Recherchieren (kein prokrastinieren)
  • Projekt basierte Kontextualisierung
  • Information strukturiert und wiederauffindbar verwalten
  • Gesammelte Information in sinnvolle und wiederverwendbare Notizen und Gedanken umwandeln
  • Fortlaufende und zielführende Ergebnissicherung

Lehrpersonen und Lernende werden damit gleichermassen befähigt, ihre Arbeitsprozesse strukturiert und intuitiv umzusetzen und zu dokumentieren. Gleichzeitig können Zwischenergebnisse zugänglich gemacht werden und bieten damit Anknüpfungspunkte für Lerndialoge. Der konkrete Schritt in ein dialogisches Lernen ist, dass die Methode neben der aktuellen Ergebnissicherung immer ein möglicher Anknüpfungspunkt für zukünftige Lernschritte bietet. Kurz, es fördert die Kompetenzen für die persönliche Wissensarbeit, die für eine dialogische Lehr- und Lernkultur benötigt werden.


Literatur

[1] Bastian, Johannes, Combe, Arne, Langer, Roman (2007). Feedback-Methoden erprobte Konzepte, evaluierte Erfahrungen. Weinheim und Basel: Beltz Verlag.

[2] Winter, Felix (2014). Leistungsbewertung: eine neue Lernkultur braucht einen anderen Umgang mit den Schülerleistungen. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren.

[3] Frey, Karl (2010). Allgemeine Didaktik Arbeitsunterlagen zur Vorlesung. ETH Zürich: vdf Hochschulverlag.

[4] Greift man in diesem Zusammenhang das Lernen von negativem Wissen [5] auf, wird deutlich, wie wichtig ein prozessorientiertes Lernen ist. Lernende entwickeln eigene Lösungswege und es spielt erstmal keine Rolle, ob dieser richtig oder falsch ist. Denn auch das Erarbeiten von negativem Wissen ist Lernen.

[5] Oser, Fritz, Spychiger, Maria (2005). Lernen ist schmerzhaft: zur Theorie des Negativen Wissens und zur Praxis der Fehlerkultur. Weinheim und Basel: Beltz Verlag.

[6] Hattie, John (2014). Lernen sichtbar machen. Überarbeitete deutschsprachige Ausgabe von Visible Learning. Baltmannsweiler: Schneider Hohengehren.